Die Naturschutzgruppe
im Neuen Heimat- und Geschichtsverein Werl e.V.

Reden ist Silber - Handeln ist Gold

Ein Bericht der Naturschutzgruppe
des Neuen Heimat- und Geschichtsvereins

Josef Lefarth (1984)

Am 17. März 1983 traf sich die Arbeitsgruppe Naturschutz zum erstenmal in der Overbergschule, nachdem sie eine Woche zuvor auf der Jahreshauptversammlung des Neuen Heimat- und Geschichtsverein Werl offiziell gegründet worden war. Folgende allgemeingültige Zielsetzungen des Naturschutzes gelten auch für diese Gruppe: Fördern des direkten Kontaktes zwischen Mensch und Natur, der allgemeinen Artenkenntnis (Pflanzen, Tiere), der Kenntnisse über die engere Heimat, der Einsicht in biologische Grundvorgänge und Bewirtschaftungsmethoden, der Einsicht in ökologische Zusammenhänge, der Verantwortung gegenüber der Umwelt.

Die täglichen Meldungen der Medien zeigen einerseits, daß der Mensch Fehler im Umgang mit seiner Umwelt begeht und andererseits, daß Gefühl und Verantwortung des Menschen für seine Umwelt gestiegen sind. Der aufmerksame Beobachter wird diesen Wandel punktuell auch schon festgestellt haben: So fand man früher z.B. die Wegränder häufig in einem trostlosen, weil niedergespritzten Zustand vor, wohingegen der farbenprächtige Artenreichtum dort heute wieder anzutreffen ist. Die folgenden, bewußt ungeordnet aufgeführten Problemfelder zeigen, wie vielfältig das Arbeitsgebiet des Naturschutzes ist, andererseits wird aber auch an einigen Punkten deutlich, wie kontrovers die Diskussion hierüber geführt wird: Bachregulierung (z.B. Salzbach), Erhaltung von Teichen und Feuchtwiesen, Waldsterben (auch im Werler Stadtwald!), Probleme der Monokultur, Umweltbelastung durch Lärm, Abfallbeseitigung (Problem Hausmüll-Sondercontainer), Vogelschutz, Baumschutz, Flämmen von Wegrändern und Feldern, Krötenschutz, Grundwasserbelastung durch Nitrat, Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln (Herbizide und Pestizide im Gartenbau und in der Landwirtschaft), Schutz von Fledermäusen und Igeln, Erhaltung von alten Steinbrüchen.

Damit ist das Aufgabenfeld des Naturschutzes sicherlich noch nicht genau abgesteckt. Die Berichte der Medien haben uns in den letzten Jahren vor Augen geführt, daß kontinuierlich neue Probleme hinzukommen. Die Naturschutzgruppe kann sich auch nicht die Lösung aller Problemfelder zum Ziel setzen. So bedarf eine überregionale Aufgabe, wie z.B. die der Luftverschmutzung, einer landesweiten, staatlichen Lösung.

Die Naturschutzgruppe muß sich, nicht zuletzt der Tatsache wegen, daß sie eine kleine Gruppe ist, auf einige lokale Schwerpunkte begrenzen. Die gewählte Arbeitsweise konzentriert sich um drei Schwerpunkte:

1. Der monatliche Gesprächskreis, bei dem anstehende Aufgaben und Aktionen besprochen werden. Dabei wird auch mit der VHS zusammengearbeitet.

2. Regelmäßige Wanderungen, bei der Pflanzenbestimmungen, Aspekte der Landschaftsgestaltung und des Naturschutzes mit einbezogen werden. Dabei ist bewußt die zwanglose Form der Familienwanderung gewählt worden.

3. Einzelaktionen, die auf Mißstände in der Natur aufmerksam machen bzw. diese zu beseitigen versuchen.

Als Beispiel für den letzten Punkt sei an die Waldsäuberungsaktionen im Stadtwald und an das Pflanzen von 1000 Bäumen in der Büdericher Feldflur südlich der Bundesstraße 1 erinnert. Bei den Einzelaktionen wurde andererseits auch deutlich, daß Einzelpersonen allein nicht viel ausrichten können. Selbst die Naturschutzgruppe ist dann von der Mitgliederzahl her zu schwach, um diese durchzuführen. Deshalb hat sich die Gruppe in solchen Fällen auch immer bemüht, außenstehende Mitbürger und vor allem die Schüler der Schulen mit einzubeziehen. Über das tatkräftige Mithelfen soll bei Erwachsenen wie bei Schülern das Verantwortungsbewußtsein für die Umwelt geweckt werden, deren Erhalt ja ihre Zukunft sichert. Naturschutz, welcher der Sache wegen betrieben wird, muß sich auch gelegentlich mit verschiedenen Interessengruppen auseinandersetzen. Daß es dabei dennoch zur Zusammenarbeit kommen kann, zeigt wiederum die Pflanzaktion in der Büdericher Flur, bei der auch die Landwirte tatkräftig geholfen haben. Kontrollen zeigen, daß auch die meisten Bäume angegangen sind, wobei das Fehlen einzelner Bäume verschiedene Ursachen haben kann.

Es sei auch darauf hingewiesen, daß jeder einzelne in seinem Privatleben damit beginnen sollte, den Umweltschutzgedanken zu verwirklichen. Möglichkeiten ergeben sich für jeden in den verschiedenen Rollen des Konsumenten, z.B. des Kraftfahrers, des Garten- und Hausbesitzers und des Haushaltsvorstandes.

Unsere Gruppe benötigt noch viele Mitstreiter für viele Arbeitsbereiche. Zur Zeit werden vor allem Personen für die Bestandserfassung ("Kartierung") von Vögeln, Teichen und Pflanzen gesucht.

Zur kritischen Anmerkung und zur Verdeutlichung, welche Stellung der Naturschutz heute leider noch oft einnimmt, sei zum Schluß eine Stellungnahme angefügt.

"Niemand unter den wissenden ernsthaften Naturschützern, zu deren Bettelorden ich mich rechne, will wieder die Öllampen anzünden und die Postkutschen aus den Museen holen. Wir wissen, daß wir eine der größten Industrienationen der Welt auf relativ kleinem Raum sind. Was wir nicht vertragen, ist die Arroganz der Mächtigen mit unserer Minderheit." (Horst Stern)

zurück zum Archiv

design & copyright © 2003 mjbEDV, Werl