Die Naturschutzgruppe
im Neuen Heimat- und Geschichtsverein Werl e.V.
Der Werler Parkfriedhof ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Das liegt sicherlich mit an der großzügigen Anlage der früheren Planer und Gärtner. Er ist heute circa 16 ha groß und besteht aus:
hohen dichten Bäumen, freien Flächen, überschaubaren Gebieten und einigen dichten, sehr alten, fast verwilderten und noch nicht wieder belegten Grabstellen.
All dies sind hervorragende Voraussetzungen, um einer großen Vogelwelt ideale Bedingungen zu schaffen. Das ist zwar nicht der Sinn eines Parkfriedhofes. Aber hier kann das eine mit dem anderen verknüpft werden. Heute profitieren wir von der Großzügigkeit des Parkes. Hier finden viele Spaziergänger Ruhe und das Gespräch miteinander.
Der ältere Teil des Parkfriedhofes besteht hauptsächlich aus Lebensbäumen (Thuja occidentalis), sehr großen und alten Eschen (Fraxinus excelsior), verschiedenen Tannenarten: die Veitchtanne (Abies veitchii), Große Küstentanne (Abies grandis), die Nordmannstanne (Abies nordmanniana) und die Koloradotanne (Abies concolor).
Diese Bäume haben zum Teil beträchtliche Höhen angenommen. Einige der Eschen bekamen zwischenzeitlich ein "Stangenkorsett". Die Gefahr des Auseinanderbrechens war zu groß. Hier wurde nicht gleich zur Säge gegriffen, vielmehr den Bäumen für einige Jahre Hilfestellung gegeben. Diese Bäume sind ideale Plätze für die größten der hier vorkommenden Vogelarten: die Ringeltauben, Rabenkrähen, die Elstern und die Eichelhäher. Die drei letztgenannten Arten brüteten 1988 erstmals gleichzeitig in einem Jahr. Als Nesträuber verschrieene Vögel soll man auch einen Platz in der Natur belassen. Selbst wenn den Elstern hin und wieder das Gelege eines anderen Vogels zum Opfer fällt, so werden sie es nie schaffen, eine Vogelart zum Aussterben zu bringen.
Aber auch der kleinste unserer heimischen Vögel, das Goldhähnchen, nistet in den oberen Regionen der Bäume. Es bevorzugt die vorkommenden Fichtenarten: die Rotfichte (Picea abies), die Stechfichte (Picea pungens) oder die Omoricafichte (Picea omorica). Das Nest dieses vier Gramm leichten Vogels ist selten niedriger als zehn Meter. Es ist wie eine Kugel gebaut, mit einer kleinen Seitenöffnung. Die hohe Anzahl des Geleges - bis zu zwölf Junge - kann die Dezimierung eines strengen Winters wieder auffangen.
Recht stattliche Bäume auf dem alten Teil des Parkfriedhofes sind auch die Blutbuche (Fagus silvatica purpurea), die Rotbuche (Fagus silvatica), die Sommerlinde (Tilia platyphyllos), die Winterlinde (Tilia cordata) und sehr schöne Exemplare der Seidenkiefer (Pinus strobus). Eine dieser Kiefern war bis vor zwei Jahren die Heimat des Turmfalken, der hier einen mächtigen Horst gebaut hatte. Heute brüten die Falken im Turm der Propsteikirche. Der Horst auf dem Friedhof dient den Rabenkrähen als Aufzuchtstätte.
Eine Gruppe "Sorgenkinder" unter den Vögeln sind die Höhlenbrüter. Vor einigen Jahren gab es noch viele alte Bäume auf dem Parkfriedhof. Diese haben aber in der heutigen aufgeräumten Landschaft keinen Platz mehr. Fehlen aber diese Bäume, fehlt den Spechten die Brutmöglichkeit. Gibt es keine Spechte mehr, gibt es keinen Folgebrüter, der auf Höhlen angewiesen ist. Dies sind Kohl- und Blaumeise, Kleiber, Baumläufer und der Star. Die auf dem Parkfriedhof vorkommenden Höhlenbrüter nehmen aber auch gern Nistkästen an, die in ausreichender Zahl vorhanden sind.
Bild 1: Die Waldohreule gehört zu den ständigen Wintergästen des Parkfriedhofs. Die Zahl der Tiere, die überwintern, schwankt jährlich zwischen 8-20.(Foto aus “Die Vögel Mitteleuropas”, Kosmos-Verlag, Stuttgart
Alte Bäume zu schützen, ist das Ziel aller Naturfreunde. Neue Bäume zu pflanzen, sollte genauso lohnend sein. Der Parkfriedhof in Werl gibt an einigen Stellen Zeichen, daß beides nebeneinander gemacht werden kann. Hier und da muß ein altersschwacher Baum weichen, wenn auch zum Leidwesen einiger Vogelarten. Aber im Grunde können wir alte Bäume schützen und erhalten, wenn neue Bäume gepflanzt werden. Auf Dauer würden wir nicht nur unseren Parkfriedhof erhalten, sondern nebenbei der Vogelwelt einen großen Dienst erweisen, der letztendlich auf uns alle wieder zurückfällt.
Die Artenvielfalt an Bäumen ist sehr groß, auch wenn von einigen Arten jeweils nur ein oder zwei Exemplare vorhanden sind. Das wäre einmal die weitbekannte Libanonzeder (Cedrus libani) mit der einmaligen Grotte, der Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), der Amberbaum (Liquidambar styraciflua), die Eßkastanie (Castanea sativa), die Platane (Platanus acerifblia), der Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum), der Trompetenbaum (Catalpa-Bignonioides), die Bergulme (Ulmus glabra) und der Götterbaum (Ailanturn altissima). Sollten diese Baumarten bei Neupflanzungen nicht mitberücksichtigt werden?
Bild2: Der Zilpzalp oder Weidenlaubsänger ist fast regelmäßig auf dem Parkfriedhof zu beobachten.
Bild 3: Auch der Fitis, ein guter Sänger, gehört zu den ständig anzutreffenden Vögeln des Friedhofs.
Viele der hier aufgezählten Bäume sind schon recht alt. Die Artenvielfalt wird mit jeder verlorengegangenen Art weniger.
Meine diesjährige Zählung und Beschriftung der Baumarten brachte jedoch noch immer eine ganze Reihe verschiedener Bäume zusammen. Bei den Nadelgehölzen, die mengenmäßig am häufigsten vorkommen, sind die Lebensbäume führend. Drei Fichten-, vier Tannen-, drei Kiefernarten.
Die Eiben und Lärchen bestimmen das Bild des älteren Teils vom Parkfriedhof, aufgelockert mit Hemlockstannen (Tsuga canadensis). Die sehr breiten Wege wurden mit Linden (Tilia cordate), Ahorn (Acer pseudoplatanus), Birken (Betula verrucosa) und Blutpflaume (Prunus ceresifera) bepflanzt. Soviel Platz kann heute aus verständlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung gestellt werden. Deshalb sollten wir uns freuen, einige von solch schönen Alleewegen im Parkfriedhof zu besitzen. Erwähnenswert ist selbstverständlich auch der Lindenbogenweg.
Im Schutze dieser mächtigen Bäume, zu denen die Rotbuche (Fagus silvatica) und die Blutbuche (Fagus silvatica purpurea) ebenso gehören wie die Stieleiche (Quercus penduculata), die Roteiche (Quercus rubra), die Vogelkirsche (Prunus avium), die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und der Goldregen (Laburnurn anagyroides), halten sich die etwas bekannteren Vogelarten auf. Zu ihnen gehören die Mistel-, Sing- und die Schwarzdrossel.
Die größte Vogelvielfalt finden wir auf dem Teil des Parkfriedhofes nördlich der Neheimer Straße. Hier gibt es zwar nicht mehr soviel Bäume wie auf dem alten Teil. Aber hier sind alle Voraussetzungen anzutreffen, die Vögel so sehr brauchen: dichtes Strauchwerk zum Nisten, hohe Spitzen einzelner Gehölze zum Singen ihrer vielen Strophen.
Die Pflanzstreifen wurden hier von den Stadtgärtnern mit einer großen Vielfalt an Büschen bepflanzt. Das beginnt bei verschiedenen Schneeballarten über Sanddorn, Feuerdorn, Ginster, Flieder, Felsenbirnen und vielen anderen. Aufgelockert ist das ganze mit Eiben, Wacholderarten und verschiedenen Lebensbäumen. Diese Abwechslung zieht die Vögel an. Viele Büsche dienen der Aufzucht der Jungen, andere als Nahrung, seien es die Knospen, die der Dompfaff gelegentlich frißt, oder die Beeren im Herbst, die die verschiedenen Vogelarten benötigen.
Auf diesem Teil des Parkfriedhofes können wir viele Vogelarten beobachten. Es sind: Zaunkönig, Buchfink, Rotkehlchen und Heckenbraunelle, Zilp-Zalp und Fitis, Grünfink, Kernbeißer und die Mönchsgrasmücke. Selbst der Kuckuck vergißt es nicht, im Frühjahr hier von der großen Eiche auf sich aufmerksam zu machen.
Betrachtet man den Parkfriedhof aus der Sicht der Vögel, dann ist die Welt hier noch in Ordnung. Einige Arten sind zwar mit den Jahren weniger geworden (z.B. Bluthänfting und Grauschnäpper) oder gar nicht mehr als Brutvogel nachzuweisen (z.B. die Schwanzmeise). Dies ist aber nicht nur ein lokales Problem. Diese Vogelarten sind als Ganzes weniger geworden. Die empfindlichen Sorten reagieren immer als erste auf Störungen. Das Vernichten einzelner Hecken oder Buschgruppen zieht für die Vögel verheerende Folgen nach sich.
Daß ein Park oder Parkfriedhof ständig sein Gesicht durch Um- und Neupflanzungen ändert, ist nur verständlich. Viele Tierarten können sich dem anpassen. Fehlt aber mit der Zeit die Möglichkeit, die Brut großzuziehen, verschwinden einzelne Arten. In den letzten Jahren haben die Hecken rapide abgenommen. Diese aber brauchen verschiedene Vogelarten, wie z.B. Schwanzmeise, Dompfaff, Bluthänfling u.a. Die Schwanzmeise ist leider nur noch gelegentlicher Gast. Wer einmal ihr kunstvoll geflochtenes Nest (Kugelnest) gesehen hat, bedauert dies.
So könnte noch Anregendes zum Werler Parkfriedhof gesagt werden. Im allgemeinen aber dürfen wir hoch zufrieden sein, einen solchen Baumbestand mit der vorhandenen Vogelwelt mitten in unserer Stadt zu besitzen. Es gibt ca. 56 verschiedene Baumarten und Großstraucharten, die zusammen den Park ausmachen. Einige sind Einzelexemplare und hoffentlich nicht eines Tages verschwunden. Bei den Vögeln waren es in den letzten 15 Jahren ca. 43 verschiedene Arten. 12 davon sind Zugvögel, wie z. B. Kuckuck, Grauschnäpper, Fitis, Zilp-Zalp, Mönchsgrasmücke. Sie verbringen aus Nahrungsmangel den Winter im Süden. 8 bis 10 Arten treffen wir ständig an. Sie sind standorttreu, wie Schwarzdrossel, Buchfink, Kohlmeise u.a. 12 Arten zählen zu den umherstreifenden Vögeln, die nicht zum Süden ziehen, aber auch nicht den Winter an einem Platz verbringen, z.B. die Heckenbraunelle.
Eine ganz besondere Art zieht es aber im Winter zum Parkfriedhof - die Waldohreule. Diese Art schließt sich dann zu "Familien" zusammen und verbringt den Tag schlafend in einem Baum. Der Spaziergänger oder Naturfreund kann die heimische Eulenart sehr gut beobachten, obwohl sie sich durch ihr Gefieder gut den Bäumen anpaßt. Die dichten Lebensbäume bieten erstklassigen Schutz. Die Zahl der Eulen, die überwintern, schwankt jährlich zwischen 8 bis 20. Sie sollten aber tagsüber nicht gestört werden, denn die Nachtgreifer würden durch ihr Auffliegen in kalten, schneereichen Monaten zuviel Energie verlieren. Sie haben es schwer genug, im Schnee Mäuse zu fangen. In diesem Jahr haben zwei Paare auf dem Parkfriedhof gebrütet und acht Junge groß gezogen. Ein geringer Teil wird jedoch nur das erste Lebensjahr erreichen.
Vogelarten, die nur gelegentlich Gäste des Parkfriedhofes sind, finden wir beim Spaziergang auch. So ist die Türkentaube, ein typischer Stadtvogel, manchmal an einer der Wassertränken zu finden. Aber auch die Bachstelze, der Haussperling, der Hausrotschwanz und im Herbst die Wacholderdrossel, die in Gruppen die Beeren der Eiben fressen, sind zu beobachten. Erstmals war ein Grünspecht in diesem Jahr für zwei Tage unser Gast. Die Turteltaube besuchte uns für eine Woche im Frühjahr. Sie ist mehr in der lockeren Feldflur zu Hause. Die Tannenmeise kann man auch des öfteren sehen und hören.
Alles in allem ist der Werler Parkfriedhof eine Insel der Ruhe und Erholung. Hoffen wir, daß es so bleibt und die Vögel als "Nebenprodukt" weiterhin so zahlreich in ihren Arten erhalten bleiben und uns mit ihren Liedern und ihrem Aussehen besonders im Frühjahr erfreuen.
| Vogelwelt des Werler Parkfriedfhofes (Langzeitbeobachtung) | ||
| fast regelmäßig zu beobachten | selten | Gäste |
| Schwarzdrossel | Misteldrossel | Grünspecht |
| Singdrossel, Zaunkönig | Girlitz | Turteltaube |
| Goldhähnchen, Dompfaff | Baumläufer | Türkentaube |
| Kohlmeise, Blaumeise | Kuckuck | Bachstelze |
| Buchfink, Ringeltaube | Schwanzmeise | Gartenrotschwanz |
| Rotkehlchen, Rabenkrähe | Tannenmeise | Haussperling |
| Heckenbraunelle, Fitis | Waldohreule | Wacholderdrossel |
| Mönchsgrasmücke, Star | Nachtigall | Haubenmeise |
| Zilp-Zalp, Eichelhäher | Turmfalke | |
| Gartengrasmücke, Kleiber | Hänfling | |
| Grauschnäpper, Elster | Klappergrasmücke | |
| Grünfink, Buntspecht | ||
| Kernbeißer | ||
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