Schützenfest Büderich 1999

Wissenschaftliche Auswertung

Während einige Aspekte des Büdericher Schützenfests mehr Fragen aufwerfen, als sie lösen, bringen andere viel Licht in das vorherrschende Dunkel um die hiesigen Riten. Wir schreiten bei unserer Auswertung von den Zweifelsfällen zu den Punkten fort, bei denen wir uns auf gesicherterem Terrain zu bewegen glauben.

Benamung

Voraussetzung für die Aufnahme in den Büdericher Hofstaat scheint das Erlangen der Geschlechtsreife und die Paarung zu sein, wobei die Paare sich einen gemeinschaftlichen Übernamen geben, in dem das Männchen oft übermächtig zutage tritt: Deutsch-, Dümpel, Kort- (2mal!) und Peuk- MANN; den umgekehrten Fall beobachten wir nur einmal, und das in einer dem offenbar dem Tierreich entlehnten Form (Stute). Nicht selten auch gibt der Übername Auskunft über den Gewerbefleiß des Stammes: Fischer, Becker, Bewermeier, Schröder, Schnettler, Post und Düser, wobei noch zu klären wäre, was genau eigentlich der Bewer meiert oder der Schröder schroten mag. Ohnehin bleibt die Frage der Übernamen voller Rätsel: Was bedeutet es, daß die einen sich Fromme nennen, die anderen Schnöde? Das zu klären, muß künftigen Forschergenerationen vorbehalten bleiben.

Make-up

Obwohl einige (dem Verfasser dieser Studie hinlänglich bekannte) Individuen unsere Erhebung zur im Rahmen des in Rede stehenden Fests üblichen Gesichtsbemalung mit sinnlosen Angaben wie »Peeling mit Fruit of the Loom« zu unterminieren trachteten, bleibt doch deutlich, daß die männlichen Festteilnehmer im Unterschied zu den meisten afrikanischen Stämmen zu dem Anlaß ohne Bemalung erscheinen. Ein Großteil der Frauen hingegen gab an, »dezent« geschminkt gewesen zu sein, wobei die Herkunft des Begriffes hier nicht abschließend geklärt werden kann. Denkbar wäre einerseits eine Ableitung vom englischen decent (anständig, ordentlich), aber auch vom lateinischen decem (zehn), also zehnmal aufgetragen, was angesichts der herrschenden Temperaturen niemand wundern würde. Freilich stünde eine solcher Aufwand im krassen Gegensatz zur Bescheidenheit der Büdericher Frauengesellschaft bei der Fußbekleidung (vgl. nächster Abschnitt).

Schuhgrößen

Kommen wir abschließend auf die verwendete Fußbekleidung zu sprechen. Unsere Untersuchung läßt keinen Zweifel daran, daß die Herren des Hofstaats zu Büderich auf weitaus größerem Fuße leben als die Damen. Während diese sich mit Schuhwerk der Konfektionsgrößen 36-42 zufrieden geben (wobei letztere schon die Ausnahme darstellt), stapfen jene in Dimensionen einher, die jede Bescheidenheit vermissen lassen: Größen wie 43, ja 44-45 sind keine Seltenheit, einmal gar wurde 49 gemessen.

Nachstehende Grafik illustriert den genannten Sachverhalt schlagend. Die orangefarbenen Balken des Diagramms repräsentieren die Damen, die grünen die Herren; die X-Achse zeigt die Konfektionsgrößen. Knattermann-Dehlers Hypothese, daß der Unterschied zwischen dem Pillefuß und dem bei weiter nördlich angesiedelten Stämmen sog. Elbkahn(*) geschlechtsspezifisch sein könnte(**), erhält hierdurch eine schwer zu widerlegende Untermauerung.


* Wir ziehen diesen scheinbar volkstümlichen Terminus der geometrisch unzulänglichen Bezeichnung »Quadratlatschen« vor.
** Achim Knattermann-Dehler: Der Fuß und seine Bekleidung als Spiegel des Wandels des Antlitzes der Gesellschaft des 20. Jahrhunderts. Diss. Univ. Salamandria 1998, maschschr.


zurück zur Leitseite

© mjb 1999, mjb@werl-buederich.de

Alle Rechte vorbehalten